Ethikdiskussion

Hier werden alle Themen gesammelt, die im weiteren und im weitesten Rahmen mit dem Thema Ethik zu tun haben.

Als erstes folgen einige Gedanken zur Unsterblichkeit.

Argumente gegen die Unsterblichkeit:

 

a) Es ist unnatürlich, unsterblich zu sein.

 

Das ist egal. Ob unnatürlich oder nicht, daraus folgt nicht automatisch, dass Menschen auf keinen Fall unsterblich werden sollen. Das ist ein naturalistischer Fehlschluss.

 

b) Es ist wider die Natur, das Leben künstlich zu verlängern.

 

Was wider die Natur und was mit ihr ist, lässt sich nur schwer definieren. Nimmt man dieses Argument ernst, wäre jeder Speer, mit dem ich ein Raubtier abwehre oder die Bändigung des Feuers zur Regulierung der Umgebungstemperatur verwerflich. Affen verteidigen sich mit Stöcken und Steinen gegen Löwen. Dabei ist doch das Gefressenwerden von einem Löwen ein natürlicher Tod. Wo wollen wir die Grenze ziehen? Die häufigste Todesursache bei Altersschwäche ist Organversagen. Nierenversagen führte noch bis in die Mitte des 20.Jahrhunderts zum Tod, Diagnose: Altersschwäche. Trotzdem würde heute kein klar denkender Mensch (religiöse Fanatiker zähle ich nicht dazu) mehr die Dialyse ablehnen oder jemandem verweigern. Jede Todesursache hat einen natürlichen Ursprung. Seien es die angeborenen Unverträglichkeiten des menschlichen Organismus gegenüber einer Vielzahl von Einflüssen, oder die größtenteils lebensfeindliche Natur selbst. Also ja, es ist wider die Natur, dass wir unser Leben mit künstlichen Mitteln verlängern. Daraus zu schlussfolgern, dass wir es nicht tun sollten wäre ebenso wie in a) ein Fehlschluss. (und würde uns in letzter Konsequenz zu Spielbällen der Umwelt machen)

 

c) Es gibt einen Sinn, dass wir sterben.

 

Nein gibt es nicht. Jedenfalls keinen plausiblen. Es gibt Gründe dafür, dass wir sterben. Aber ein Sinn setzt eine Absicht voraus und die gibt es in der Natur nicht. Die Evolution „handelt“ nicht absichtsvoll. Sie erweckt nur den Anschein, weil sich im Prozess der natürlichen Selektion nur das durchsetzt, was so geschieht, als bestünde eine Absicht dazu. Gene programmieren Körper mit dem, was sich in der Vergangenheit bewährt hat. Und es setzen sich nur die durch, die sich in der Gegenwart bewähren. Es existiert kein „Blick in die Zukunft“, keine Prognose, keine Zielrichtung in der Evolution.

 

d) Wer entscheidet dann, wer lebt und wer stirbt?

 

Na der Mensch! Aber die meisten Menschen, egal ob religiös oder nicht, gehen von einer übernatürlichen Instanz aus, die ihnen die schwierigen Entscheidungen abnimmt. Dies ist allerdings nur dem Umstand geschuldet, dass die enorme Vielzahl von Faktoren, die zu unserem Tod führen, für uns nicht überschaubar ist. Zahllose geistfreie Prozesse zwingen dem Menschen in ihrem Zusammenwirken eine begrenzte Lebensspanne auf, gegen die er sich (noch) nicht wehren kann. Wollen wir diesen Zustand so beibehalten? Wollen wir es weiterhin der großen Lotterie, „Natur“ genannt, überlassen, wer lebt und wer stirbt?

Keine Errungenschaft in der Medizintechnik steht heute allen Menschen zur Verfügung. Das ist für gut ausgerüstete Krankenhäuser in Europa aber kein Grund, die Behandlung (und damit die Verlängerung des Lebens) ihrer Patienten zu verweigern.

Niemand entscheidet, wer lebt und wer stirbt. Das ist ja das Problem! Ärzte müssen oftmals entscheiden, wer lebt, bzw. wen sie behandeln. Aber das bedeutet nicht, dass sie die Unbehandelten töten. Das heißt, dass Menschen, die die Unsterblichkeit nur aus dem Grund ablehnen, weil sie nicht allen zur Verfügung stünde, auch selbst jede medizinische Behandlung ablehnen müssen.

 

e) Wir dürfen nicht Gott spielen.

 

Wieso nicht?

1. Es gibt keinen Gott. Und wieso sollte es verboten sein, Gott zu spielen? Nur weil ein paar Päpste, Rabbis, Mullahs und andere Sektenführer das behaupten? (Die Gotteshypothese ist vor allem deswegen unhaltbar, da sie so formuliert ist, dass sie nicht widerlegbar ist. Das widerspricht dem Falsifikationsprinzip: „Jede wissenschaftliche Theorie oder Hypothese muss an der Erfahrung scheitern können!“ Daher ist jeder Verweis auf Gott in der Wissenschaft fehl am Platz.)

2. Wenn mir ein Rettungsarzt nach einem Unfall das Leben rettet, begrüße ich es sehr, dass er an mir Gott gespielt hat und

3. erfüllt uns die Unsterblichkeit noch lange nicht göttliche Allmachtsphantasien.

 

f) Der menschliche Geist würde Unsterblichkeit nicht ertragen.


g) Der ständige Wandel unserer Persönlichkeit macht Unsterblichkeit obsolet.


Das sollen erstmal einige Gedankenanstöße sein.

Meine Antworten auf die Argumente f) und g) muss ich mir noch überlegen. ;)