Nachtrag zur Bachelor-Thesis

Veröffentlicht auf von Erik

Zum ersten Oktober diesen Jahres habe ich meine Bachelor-Arbeit fertiggestellt. Zurzeit warte ich auf die Beurteilung durch den Dozenten. Das Thema der Arbeit lautet: "Homosexualität aus Sicht evolutionärer Pädagogik und Psychologie".

Meine Hauptaussage lautet darin wie folgt: Homosexalität existiert nicht. Und Heterosexualität dementsprechend auch nicht. Probleme, die mit diesen "Phänomenen" auftreten, sind gänzlich kulturell selbst generiert.

Was meine ich damit?
Die griechisch-lateinischen Zwitterworte "Homosexuell" und "Heterosexuell" wurden erst um 1869 erfunden. Und erst kurz vorher hatte man überhaupt damit angefangen, gleichgeschlechtliche Liebe als etwas abnormes und unnatürliches zu begreifen. In meiner Bachelor-Arbeit führe ich diese historische Entwicklung en detail aus. Aber das erspare ich mir hier. Wichtig ist folgendes: Im aufkommenden Ordnungs- und Kategorisierungswahn der Industrialisierung wurde das Leben wie die Natur streng normiert. Dazu gehörte unter anderem die Vorstellung, dass ein wahrer Mann nur eine Frau lieben konnte und umgekehrt. Männer und Frauen, die das gleiche Geschlecht liebten, waren demnach keine wahren Männer beziehungsweise Frauen. Schnell wurde die Theorie aufgestellt, dass solche Menschen innerlich (seelisch) dem anderen Geschlecht angehören mussten. Da aber der Zustand des "Heterosexuellen" als normal und einzig natürlich galt, wurde diese "umgepolte" (auch: invertierte) Sexualemfindung als psychisches Leiden aufgefasst, von dem die Betroffenen zu heilen seien. In dieser frühen Phase der modernen Sexualforschung wird schnell klar, was das eigentliche Problem war: Geschlechtsrollenverhalten und Sexualverhalten wurden kurzerhand als ein und dasselbe betrachtet. Dass ein Mann nicht weiblich sein musste, um einen anderen Mann zu lieben wurde spätestens deutlich, als die unendlich unterschiedlichen Mischformen von Rollenverhalten und Sexualverhalten offensichtlich wurden.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts dann kam eigentlich schon der Durchbruch in der Sexualforschung, auf den man hoch heute zurückgreifen kann. Alfred Charles Kinsey veröffentliche in zwei "Reports" (einmal über das Sexualverhalten des menschlichen Männchens und einmal über das des menschlichen Weibchens) die Ergebnisse von über 11.000 Interviews. Darin konnte er darlegen, dass Homosexualität als abgrenzbarer Zustand überhaupt nicht existiert. Vielmehr verwandt er die Begriffe "homosexuell" und "heterosexuell" nur noch als Adjektive für Reize, auf die die Befragten mal mehr, mal weniger stark erotisch reagieren konnten. Dabei stellte er fest, dass es einen fließenden Übergang zwischen den befragten Personen gibt, von "nur auf heterosexuelle Reize ansprechend" und "nur auf homosexuelle Reize ansprechen". Dazwischen lagen soviele Abstufungen und Mischformen von "sowohl auf hetero- wie homosexuelle Reize ansprechend", wie es Individuen gab. Von einer "Hormonellen" Erklärung der Homosexualität sah er gänzlich ab (also der Kopplung an das Geschlechtsrollenverhalten).

Das war 1950! Und die Studien wurden seitdem mehrfach wiederholt und weitestgehend verifiziert.

Dennoch sehen wir noch heute Forschungsansätze, die nach einem "Grund für Homosexualität" forschen. Es müsse wohl genetisch irgendwo determinert sein, meint man. Schließlich handelt es sich hier um den Sexualtrieb. Und der Sexualtrieb ist zur Fortpflanzung da! Und die Fortpflanzung muss einfach genetisch codiert sein!

Solche Grundannahmen werden unhinterfragt mitgeschleift, wie schon im 19. Jahrhundert die Annahme, dass ein "wahrer Mann" keinen anderen Mann lieben könne. Wenn ich davon ausgehe, dann ist Homosexualität tatsächlich ein Problem, das nur schwer zu erklären ist.

Noch im Jahr 2005 werden uns Studien vorgelegt, die versuchen zu beweisen, wie homosexuelles Verhalten sich in der Evolution durchgesetzt haben könnte. Hier wird Homosexualität offensichtlich immer noch als ein Zustand aufgefasst, der irgendwie jenseits der natürlichen (normalen) Sexualität steht. Denn man sucht schließlich nach gänzlich anderen Erklärungen, als zum Beispiel für Heterosexualität. Dieser ganzen Forschung liegt allerdings die irrige Annahme zugrunde, Sexualität diene nur der Fortpflanzung. Wenn ich davon ausgehe, dann muss schlicht jedes Sexualverhalten, dass nicht zur Fortpflanzung führt unnatürlich sein. Dass sich aber die persönliche Sexualempfindung nach Kinsey oft mehrfach während einer Lebensspanne ändern kann, wird konsequent ignoriert.

Dass Sex nicht nur der Fortpflanzung dient sehen wir schon allein an einem traditionellen heterosexuellen Ehepaar, dass seit 30 Jahren verheiratet ist. Sie haben zwei Kinder und in den dreißig Jahren ungefähr 2000 bis 3000 mal Sex. Hier kann mir keiner erzählen, der Sex diene nur der Fortpflanzung! Er hat offenbar noch andere wichtige Funktionen. Zum Beispiel kann er helfen, eine Ehe über die Jahrzehnte zu stabilisieren. Und so ist es auch im Tierreich. Nahezu alle Wirbeltiere (Reptilien, Fische, Vögel, Säugetiere) zeigen homosexuelles Verhalten, dass offenbar ganz entscheidene soziale Funktionen erfüllt. Und es ist keine Minderheit, die dieses Verhalten zeigt. Nein es sind (auch beim Menschen!) eher 90 bis 95 Prozent der Population, die die Fähigkeit haben, sexuell auch vom gleichen Geschlecht erregt zu werden. Dies vermindert nicht den Fortpflanzungserfolg. Es hilft vielmehr, soziale Gefüge aufzubauen und zu pflegen, die den Fortpflanzungserfolg am Ende eher noch steigern. Damit steht gleichgeschlechtliches Verhalten auch nicht im Widerspruch zu einer allgemeinen Evolutionstheorie. Eher im Gegenteil: durch die höhere Variation der Möglichkeiten sozialen Verhaltens stärkt es sogar die genetische Fittness!

Fazit: Homosexualität ist (genauso wie Heterosexualität) nur ein Konstrukt, das Ausdruck kulturell selbstgeschaffener Grundannahmen ist. Allein die willkürliche Annanhme, dass gleichgeschlechtliches Sexualverhalten unnormal sei, macht eine (unnormale) Erklärung dafür notwendig! Nicht das Verhalten an sich.

Interessante Internetquelle dazu:
link

Kommentiere diesen Post

Kinotipp 02/13/2011 22:54


Gut geschrieben- du solltest dir, wenn nicht schon geschehen auf jeden Fall den Film "Drei" von Tom Tykwer ansehen!