Slumdog Millionaire

Veröffentlicht auf von Erik

Jamal hat es geschaft. Er sitzt in der Show "Wer wird Millionär?" im indischen Fernsehen. Und nicht nur das, er hat es sogar bis zur 20 Mio. Rupien-Frage geschafft. Dabei ist er ein einfacher Assistent, der in den Slums von Mumbai (ehem. Bombay) aufgewachsen ist. Woher kennt er die Antworten auf die Fragen, bei denen selbst Menschen mit überdurchschnittlicher Allgemeinbildung scheitern?

A) er hat Glück, B) er betrügt, C) er ist ein Genie, D) es ist Schicksal



Tatsächlich wird er des Betrugs verdächtigt und von der Polizei verhört. Alle fragen sich, wie es sein kann, dass ein Slumdog soviel weiß. Doch es stellt sich heraus, dass er eine grundehrliche Haut ist. Zahlreiche Stationen seines oft erbärmlichen, einsamen und zuweilen kleinkrimminellen Lebens verhelfen ihm schließlich zu den Antworten. Er kennt den Namen eines Schauspielers, weil er einst ein Autogramm von ihm erhielt. Er weiß, dass Benjamin Franklin auf der Hundert-Dollar-Note ist, weil er einem blinden Bettlerjungen einst eine solche Note geschenkt hatte. Er weiß, was der Gott Rama in der Hand hält, weil seine Mutter einst bei religiös motivierten Unruhen totgeschlagen wurde. Er kennt aber nicht den berühmtesten Satz Indiens, der sogar auf der Nationalflagge geschrieben steht. Hier hilft das Publikum. Er misstraut dem arroganten Moderator, der ihm eine falsche Antwort zusteckt und tippt korrekt auf den erfolgreichsten Krickettspieler. Und so weiter.

Die ganze Geschichte wird mit einer Biografie aus der niedrigsten sozialen Schicht in der größten Demokratie der Welt erzählt. Ein Junge, der früh seine Mutter in überfüllten Slums verliert, sich mit seinem Bruder in kleinkrimmineller Manier durchschlägt, irgendwie aus lebensgefährlichen Situationen rauskommt und dabei nur ein Ziel verfolgt: seine große Liebe. Gleich zu Beginn, als seine Mutter stirbt, trifft er sie: Latika, ein Mädchen aus derselben Gegend mit denselben Aussichten. Doch sie verlieren sich immer wieder aus den Augen. Bis er schließlich nur aus einem einzigen Grund in der Millionenshow auftritt: aus Hoffnung, dass sie zusieht. Schließlich kommt es zur alles entscheidenen Schicksalsfrage. Millionen Menschen in ganz Indien sitzen wie gebannt vor den Bildschirmen und wollen sehen, wie einer der Ärmsten einer der Reichsten werden kann. Wie durch ein Wunder ist sie am Telefon und sein letzter Joker. Sie weiß zwar die Antwort nicht, aber ihm ging es nie ums Geld. Also rät er.

Ein sehr schöner Film mit atemberaubender Ästhetik. Gigantische Slums - Blider, die man sonst nur aus Dokumentationen kennt - werden schonungslos mit beeindruckender Musik und in rasanten Einstellungen zum Schauplatz zahlreicher gesellschaftskritischer Episoden, wie sie so in Indien anscheinend an der Tagesordnung sind. Eine Anklage auch gegen das Rechtssystem, als fette Polizisten untätig dasitzen, wärend der Mob ganze Straßenzüge in Brandt setzt oder als ein Ermittler Jamal zusammenschlagen und mit Stromschlägen malträtieren lässt, um ihn als Betrüger zu entlarven. Vor allem aber ein pädagogischer Fingerzeig, der weit über Indien hinausgeht: Auch ein Slumdog kann es schaffen! Gegen jedes Vorurteil, gegen jedes Klischee gewinnt Jamal die Herzen der Zuschauer - sowohl im Film als Kandidat der Show, als auch im Publikum. Das Happy End - wo Junge und Mädchen sich endlich küssen - darf natürlich nicht fehlen!

Die Antwort ist D). Es ist Schicksal.
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