Blogzwang

Veröffentlicht auf von Erik

Stelle mir gerade eine Welt vor, in der eine Internetpräsenz - at least ein Facebookaccount oder StudiVz-Profil, besser aber noch ICQ, Twitter, MySpace, YouTube und für die jüngeren: SchuelerVz, am besten aber ein eigener Weblog oder ein Wiki - als Einstellungsvoraussetzung für die wichtigsten Berufe und Karrieren genommen wird. Heute schon fordern viele Berufe weit mehr, als den bloßen Bildungsweg: Schule, Abi, Uni, Praktika und Teilnahme an Projekten und schon seit mindestens zwei Jahren den Führerschein und mindestens ein Jahr im Ausland und private Hobbys und und und. Wie wärs demnächst mit einer Internetqualifikation?

Folgende Situation: Ein Personalchef hat eine Stelle frei
irgendwo im Management. Zehn junge Aspiranten bewerben sich. Alle etwa gleich gut, gleich alt, gleich schleimig. Zwei haben keine irgendwie geartete Internetpräsenz, der Rest hat zumindestens ein StudiVz-Profil. Zwei haben sich im Netz unvorteilhaft präsentiert. Zwei haben ausführliche Aktivitäten auf Weblogs, die in Englischer Sprache ihre Proiekte der letzten 5 Jahre dokumentieren und gleichzeitig noch einen Einblick in ihr soziales Umfeld geben. Zwischen welchen Bewerbern wird sich der Personalchef wohl entscheiden? Über wen kann er am meisten aussagen?

Viele junge Leute in Deutschland verlassen sich noch zu sehr auf ihren starren kulturellen Status (Abschlüsse, Zetifikate, Zeugnisse, Titel) und ignorieren bewusst die Möglichkeiten des digitalen Networks. "Zuviel Unsinn wird damit getrieben" heißt es dann. Oder was ich neulich erst hörte von einem StudiVz-Verweigerer: "Würdest Du denn ernsthaft der Mehrheit die Fähigkeit zum guten Umgang mit dem Internet bescheinigen?!"

Ich freue mich schon, wenn soziale Kontakte und Möglichkeiten, die sich mir über diese Plattform hier bieten, mir in zehn Jahren den Job einbringen, für den dieser Kommilitone rein akademisch betrachtet genausogut - oder sogar besser geeignet ist.

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