Mem-Schule

Veröffentlicht auf von Erik

Ist ja interessant, wie das Schreiben eines Artikels meinen geistigen Zustand so verändert, dass mein Verhalten in eine ganz neue Richtung geführt wird! Das Aufschreiben und Wiederlesen selbst hat einen enormen Rückkopplungseffekt, der mit hermeneutischem Arbeiten vergleichbar ist. Genug davon ...

Ich habe meine Schul-Idee inzwischen überdacht! Mit Blick auf diese Idee habe ich nämlich besonderes geistiges Augenmerk auf Kommentare, Bemerkungen und Urteile zu diesem Thema gelegt, alles eine Weile gähren lassen und quasi nomologisch deduktiv neue Erkenntnisse gewonnen. (Wesentlichen Dank, geht an alle meine Gesprächspartner - sowohl diejenigen, die offensichtlich nur Sinnfreies beigetragen haben, wie jenen, die mir Vorträge gehalten haben und oder solchen, die einfach nur zuhörten und durch das gekonnte Hochziehen einer Augenbraue
treffsicher Zweifel und Ungenauigkeit anprangerten)

Also ...

Mit geistiger Nähe zu meinem letzten Artikel (siehe unten) habe ich zu melden, dass diese von mir so genannte "Rollenspiel-Pädagogik" zu flapsig und ungültig ist, um die Wirklichkeit zu beschreiben. Es sollte jetzt vielmehr Mem-Schule heißen. Denn wenn ich davon ausgehe, dass das Bewusstsein aus Memen und Mustern besteht, dann sollte die Entwicklung jener die Schule ausmachen. Oder? Klingt wunderschön banal und evident zugleich.

Ich meine, Schule sollte vom ersten Tag an in der Welt selbst stattfinden. Es sollte keinen abgetrennten Raum, kein Gebäude mehr geben, in dem Lernen wie eine gezielte Anstrengung behandelt wird. Selbstverständlich rede ich nicht davon, dass man sich nicht trotzdem in einem Seminar- oder Übungsraum zusammensetzen und Frontalunterricht machen kann. Wenn dies angemessen ist, dann soll dies auch stattfinden. Aber in vielen Bereichen ist Projektarbeit an der "Realität" viel hilfreicher. (Ich setze Realität in Anführungszeichen, weil dies ein Unwort für mich darstellt. Aber in Ermangelung eines besseren ...) Auf die Idee kam ich erst in den letzten Tagen bei einem Gespräch zu einer Pizza. Die hat damit allerdings nichts zu tun. Motivation kommt aus dem Zwang, ganz bestimmte Ziele erreichen zu müssen. Oder anders: Um zwischen inneren Trieben und äußeren Zwängen den besten Ausgleich zu schaffen muss ein Mensch bestimmte Muster im Verhalten und im Denken annehmen. Dieser Zwang nötigt uns zum Beispiel dazu, Sprechen und Laufen zu lernen.

Ideen für die Umsetzung:
Der einzig zentrale Ort, der die Schulbildung regelt ist eine Art persönlicher Internet-Marketplace/ ein Wiki oder ein Weblog oder eine Mischung aus mehreren derartigen Anlaufstellen. In dieser Form wird jungen Nutzern zu Anfang noch durch gezielte Führung in Form von Aufgaben der Lernstoff aufgezwungen. (ich muss hier Aufzwingen sagen, denn Vermittlung wird eher abgelehnt). Damit meine ich aber nicht, dass gesagt wir: "Du musst ..."/ "Du sollst nicht ..." oder so ähnlich! Sondern eher im Sinne von: "Hier kommst Du nur weiter, wenn ..." - nagelt mich bloß nicht auf diese Formulierung fest!

Aufgaben im Sinne dieser Bildung müssen Ziele setzen, die schon von selbst die Motivation zur Bearbeitung liefern. Ich denke da unweigerlich an einen eigenen Weblog. Um bestimmte Kontakte für weitere Projekte zu knüpfen muss der Schüler sich mehr oder weniger in Aufsatzform selbst darstellen. Auf diese Weise (insgesamt natürlich schon etwas komplizierter!) könnte zum Beispiel der Zwang/ die Motivation zum Lesen- und Schreibenlernen entstehen. Oder wenn Kinder ein Spielzeug haben wollen, könnten sie doch dazu "gezwungen" werden, es selbst zu bauen und alle dafür nötigen Verhaltensmodifikationen vorzunehmen. Zum Beispiel im Team zu arbeiten. Dasselbe könnte man mit Essen und Kleidung machen - oder mit Taschengeld. Für ältere Schüler könnte eine Aufgabe beinhalten mit öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwo hin zu gelangen. Dafür braucht man geographische Kenntnisse und Geld. Also das ursprüngliche "Rollenspiel" könnte an ganz praktischen Aufgaben des Jugenddaseins ablaufen.

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