Antideutsche

Veröffentlicht auf von Erik

So genannte Antideutsche sind darauf konditioniert, mit rhetorischen Mitteln die argumentative Standfestigkeit ihrer Gesprächspartner abzuklopfen. Jede Form von Ideologie oder unreflektierter Überzeugung wird mit erstaunlicher Oberflächlichkeit hinterfragt, auf potenziell axiomatischen Behauptungen herungeritten und wenn möglich ad absurdum geführt. Wer eine Meinung hat und diese nicht mit den nötigen Querverweisen und Belegen in einen konsistenten Rahmen einbetten kann, hat schon verloren. Es ist nämlich auch üblich solche Leute dann der Lächerlichkeit preiszugeben und sie bis aufs Blut mit ihrer unreflektierten "Dummheit" zu provozieren.


Die eigene Position der Antideutschen ist dabei wenig von Belang. Wenn überhaupt ist ihre eigene politische Überzeugung nichts weiter als oppositionelle Hetze aus der sicheren Position heraus, niemals wirklich für irgend etwas politische Verantwortung übernehmen zu müssen.


Naja. Jedenfalls hatte ich vergangenen Freitag das Vergnügen, mich mit zwei Vertretern dieser Art zu unterhalten. Was sofort auffiel war der Nichtakademikerstatus. Es wurde groß über Geschichtswissenschaft hergezogen, ohne wirklich mit Wissen darüber, was Wissenschaft ist oder wie der moderne Historiker arbeitet, aufzuwarten. Auf der anderen Seite kam das heikle Thema des Antisemitismus zur Sprache, bei dem mit Antideutschen nicht zu Spaßen ist. Auch hier fiel auf, dass meine Gesprächspartnerin meinen Ausführungen zum Kaiserreich und Dritten Reich nicht folgen konnte oder wollte. Die Argumente zu meiner Meinung, dass Antisemitismus im wesentlichen schon immer latent verhanden war, aber doch nicht das Handeln jedes einzelnen Deutschen bestimmt hat, verklangen entweder ungehört oder unverstanden. Keine Ahnung, was die Antideutsche eigentlich wollte, aber irgendwie schien sie zu behaupten, dass Deutsche im Grunde per Definitionem Antisemiten seien. Sie hat ihre Meinung nicht auf den Punkt gebracht.


Im weiteren kam es zu einer Auseinandersetzung über soziale Klassen und Schichten. Dabei vertraten die Antideutschen die Auffassung einer Klassentheorie wie bei Karl Marx und reduzierten die Unterschiede zwischen Menschen auf jene, die arbeiten müssen um zu leben und jene, die nicht arbeiten müssen. Dass dies zu einfach sei und sich unsere Gesellschaft nicht mehr in klar differenzierte Klassen aufteile sondern vielmehr in stark differenzierte, in einander übergehende Schichten, wurde mit dem mitleidigen Lächeln eines besser Wissenden als unbedeutende Meinung abgetan. (In diesem Moment wurde ich mit einem Verweis auf Karl Marx' Das Kapital abgewürgt, was einem Deletantismusvorwurf gleichkam. Dass ich nicht genug wüsste, um mitreden zu können, war die unausgesprochene Meinung. Doch ich verspürte keinen Groll, da ich diese Diskussion, in der die Gegenseite keine klare Stellung bezog und sich außer mit populistischer Ideoligie zu keinen relevanten Beiträgen hinreißen ließ, schon längst leid war.)

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