Erweichung

Veröffentlicht auf von Erik

Wieder in der Situation zu sein, täglich mit dem Bus fahren zu müssen, bringt mich jetzt immer häufiger in die Verlegenheit, an zentral positionierten Imbiss- und Dönerbuden vorbei zu gehen. Herrlich verführerisch duftet es dort nach Gebratenem, Gesalzenem und Gezuckertem. Schwierig ist es da, sich tagein tagaus dem Konsum zu verweigern. Mache ich doch immerhin Diät! Besonders jetzt, wo ich mich gezwungener Maßen weniger bewege, setzen derartige Völlereien unheimlich schnell an. Und nicht nur das! Überfettes und übersüßes Essen machen vor allem auch Appetit auf mehr. Was dazu führt, dass ich trotz gedecktem Kalorienbedarf abends hungrig auf dem Sofa sitze.

Zuviel Zucker gibt dem Körper kurzfristig Energie, erhöht schlagartig die Insulinproduktion in der Pankreas und führt dazu, dass das lebenswichtige und viel zu viel eingenommene Fett nicht umgewandelt sondern abgelagert wird. Anschließend fällt der Blutzuckerspiegel ins Bodenlose und ich habe wieder Heißhunger. Und dabei dient das Ganze eigentlich nur dazu, dem Appetit - also den Geschmacksnerven - zu gefallen. Nur leider wird dann irgendwann normale Nahrung - also Brot und Obst - zu fade. Einmal dem Süßkram verfallen, kommt man nur schwer wieder davon los.

Etwas verblüffend ähnliches passiert nur allzu leicht auch mit unserem Geist. Fernsehkonsum, Youtube-Unterhaltung, Pornographie oder die komplette Ablehnung jeglicher kognitiver Anstrengung im Sozialverhalten (wie zum Beispiel das ständige Rezitieren doofer Fernsehwitze) führen zu einer folgenschweren Verwöhnung des Gehirns. Wenn wir uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit externe Befriedigung für emotionale Bedürfnisse holen, verlernen wir sehr schnell, uns an den natürlichen Dingen des Alltags zu erfreuen. Das kann für niemanden akzeptabel sein! Schließlich bedeutet es eine zunehmende Abhängigkeit von fremdgesteuerten Einflüssen und den voranschreitenden Verlust der Selbstkontrolle, wenn wir immer gleich jedem Gefühl der Ermüdung und der Schwäche nachgeben müssen.

Ich will aber Pornographie im Internet sehen, Fastfood essen und Fernsehen! Das ist meine autonome, selbstbestimmte Entscheidung. - Sicher? Wenn Du schon automatisch beim Einschalten des Computers routiniert auf einschlägige Pornoseiten gehst, um dich zu befriedigen; wenn Du wie selbstverständlich einen Döner beim Türken kaufst, nur weil er gerade auf dem Weg liegt; wenn Du allabendlich den Fernseher einschaltest, obwohl du dich nicht einmal daran erinnern kannst, was gestern lief? Iss mal ein Volkornbrot mit Magerquark! Du wirst sehen, dass es dir überhaupt nicht schmeckt. Dabei liefert es dir die Nährstoffe, die Du brauchst. Deine Geschmacksnerven sind nur schon völlig abhängig vom chemisch durchkonstruierten Cocktail der Lebensmittelindustrie - für den Du immerhin eine Menge Geld ausgibst. Wäre es da nicht gut, schon mit vergleichbar wenigem innerlich befriedigt werden zu können? Sieh dich im Spiegel an! Mag sein, dass Du ein paar Muskeln erkennst - wenn Du trainierst. Aber der Bauch und die Hüften sind unansehnlich schwabbelig. Und selbst wenn Du mager und dürr bist, kannst Du nicht ernsthaft glauben, dass übersüße und überfette Nahrung deiner Lebenserwartung zugute kommt! Wenn Du in zwanzig Jahren ein Spendeherz brauchst, oder eine neue Niere, dann erwartest Du doch nicht etwa, mein Organ zu bekommen, oder? Wenn Du vom polititschen Tagesgeschehen nichts verstehst, nur meckerst, keinen beruflichen Erfolg in Aussicht hast, nicht verstehst, was andere an dir auszusetzen haben und in der Schule nur mit Mühe bestehst, könnte das eventuell an den mit Fernsehen, Chatten, Surfen und Wichsen vergeudeten Nachmittagen liegen, oder nicht? Sicher hast Du in deinem Leben gearbeitet. Und es war jedesmal hart und keine Freude. Was steht es mir da zu, dich zu kritisieren! Aber hast Du schonmal überlegt, wieso Arbeiten so hart ist? Wieso Du keine Erfüllung darin findest und dir nichts anderes übrig bleibt, als dich auf der einen Seite darüber zu beschweren, und auf der anderen Seite einzig auf diese Unzufriedenheit auch noch stolz zu sein?

Höre auf, in der Scheinwelt deine Befriedigung zu suchen. Scheinwelten sind alle unnötigen "Lebensmittel", Unterhaltungsmedien, Werbung, Internetpornographie und Freundeskreise in denen die einzigen Gesprächsthemen Witze aus dem Fernsehen sind. Angenommen dies alles fiele weg. Dann könnten Hausaufgaben, Arbeiten und körperliche Herausforderungen neben gesunden, natürlich schmeckenden Lebensmitteln genau dieselben Zwecke erfüllen.

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