Die Zukunft (5)

Veröffentlicht auf von Erik

Welchen Unterschied macht es, ob zwanzig Menschen in einem Raumschiff zu fernen Planeten Reisen, oder nur ein paar programmierte Moleküle? Durch die allgemeinen Beschränkungen der Physik ist es im Grunde sinnlos, über bemannte interstellare Raumfahrt nachzudenken. Denn was nützt den Zurückgebliebenen schon der Erfolg einiger weniger Pioniere! Nicht Der Mensch war auf dem Mond, sondern nur eine Handvoll Amerikaner. An dieser Stelle ist es völlig verfrüht, zu sagen, die Science-Fiction der Raumfahrt habe sich erfüllt. Schließlich messen wir die Entwicklungen der Geschichte nicht an den Taten und Entdeckungen Einzelner, sondern an der verbreiteten, quantitativen Nutzung durch einen Großteil der Gesellschaft. Zum Beispiel wurde Amerika von Christopher Kolumbus fast dreihundert Jahre vor der Gründung der USA entdeckt. Seinen Namen kennen wir alle. Aber erst tausende - oder Millionen - von Siedlern und deren Nachfolgegenerationen haben daraus einen Nutzen gezogen und uns diesen Kontinent als Neue Welt erschlossen. Ebensowenig Nutzen, wie Kolumbus' erste Reisen hätten bemannte Forschungsmissionen zum Beispiel zum Mars. Die Masse der Menschheit - sogar die Masse der Menschen, aus deren Nationen die Forscher stammten - hätten keinen unmittelbaren Nutzen davon. Von daher bin ich auch eigentlich kein Freund der modernen Raumfahrt (Obschon sie mich natürlich irgendwo fasziniert). Was bedeutet es, eine internationale Raumstation zu haben, wenn im Schnitt nur drei Menschen dort arbeiten? In einem Dönerimbiss arbeiten mitunter mehr Menschen. Und mein unbittelbarer Nutzen ist deutlich größer.

Was die Raumfahrt angeht müssen wir Menschen uns nur fragen, was eigentlich das Ziel der Entwicklungen auf diesem Gebiet ist. Das Ziel der Entwicklung von Verbrennungsmotoren, die von eifrigen Erfindern im 19. Jahrhundert in abgeschiedener Einsamkeit zusammengebastelt wurden, war es, den Menschen eine höhere Mobilität, und damit verbunden eine größere Reichweite im persönlichen Bewegungsradius zu geben. Das wurde aber erst zwischen den Weltkriegen (und für die breite Masse eigentlich erst nach '45) realisiert. Das Auto, die Autobahn, das Flugzeug und parallel auch die Eisenbahn sind nur die Mittel, die zu diesem höheren Lebensstandard führen. Vor zweihundert Jahren haben die meisten Menschen in ihrem Leben ihren Heimatort doch kaum verlassen, geschweige denn wöchentlich halb Deutschland besucht. Als Berliner seinen Militärdienst z.B. in Hannover zu absolvieren bedeutete meist jahrelang fern der Heimat zu sein.

Unser Ziel ist es nicht, mit Raumschiffen im Weltall herum zu fliegen! Das sieht nur im Film toll aus. Es mag heute Spaß machen, mal ohne Ziel Auto zu fahren. Aber acht Stunden auf der Autobahn nimmt man nur in Kauf, wenn man mal von Hamburg nach München fahren muss. Den Spaßzweck können in der Zukunft vielleicht orbitale Raumfähren erfüllen, nicht jedoch irgendwelche interstellaren Flüge à la Raumschiff Enterprise. So wie es früher Spaß gemacht hat, mal durchs Dorf zu reiten, während eine Überfahrt nach Amerika ein notwendiges Übel darstellte. Nein, unser Ziel mit der Raumfahrt ist die Besiedelung neuer Lebensräume auf anderen Welten! Von daher sollte man sich nicht so sehr an die eine Vorstellung klammern, diese nur mittels Raumschiffe zu erreichen. Und wer meine Zukunftseinträge verfolgt, der weiß, wie ineffizient Raumfahrt wird, wenn sie über die nächsten Planeten im Sonnensystem hinausgehen soll. Es kann daher nicht die massentaugliche Lösung sein, andere Sterne irgendwie mit Raumschiffen erreichen zu wollen.

An dieser Stelle rückt eine interessante Entwicklung im Hinblick auf die Zukunftserwartungen ins Blickfeld. Das Hauptaugenmerk zukunftsträchtiger Neuerungen geht immer mehr ins Kleine, anstatt ins Große. Die Nanotechnologie und die Biotechnologie sind herausragende Beispiele und wir erwarten viel auf diesen Gebieten. Wenn es uns gelingt, mittels dieser Technologien die Welt der Moleküle zu kontrollieren, eröffnen sich uns Möglichkeiten, die dann retrospektiv die bedeutsamen Errungenschaften der Geschichte darstellen. Heute noch von einsiedlerischen Forschen in kleinen Labors zusammengebraut und von der etablierten gesellschaftlichen Meinung nicht wirklich für voll genommen, könnten (und werden) diese Bereiche (wie zum Beispiel die Stammzellenforschung) das Erscheinungsbild der Menschheit so radikal verändern, wie es vor hundert Jahren das Automobil oder das Flugzeug getan haben.

Haben wir diese Möglichkeiten einmal in den Händen (und lösen uns endlich von alten, moralisch überholten oder religiös infizierten Irrweißheiten), wäre die Besiedlung des Weltraums auch anders denkbar. Man könnte zum Beispiel programmierte Sporen kreieren, die nicht größer sind, als ein paar Moleküle und mit dem so genannten Nano-Assembler
ausstatten. Solche mikroskopischen Objekte könnten vergleichsweise leicht auf hohe Geschwindigkeiten beschleunigt und milliardenfach ins Weltall geschossen werden - natürlich gezielt in Richtung enteckter Exoplaneten. Jede einzelne Spore wäre in der Lage mit den Ressourcen des fremden Planeten einen interstellaren Sender aufzubauen und auf neue Befehle von der Erde zu warten. Hier kommt der Echtzeitfunk ins Spiel. Von der Erde aus könnte dann der Assembler zum Terraforming angeregt und zum Bau von menschlichen Klonen umprogrammiert werden. Mittels Mind-Upload wäre eine Reise zu diesem Planeten dann problemlos (und unter wesentlich gringerem Aufwand) möglich.

Eine solche Entwicklung würde natürlich rückblickend einiges in der Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen, worauf wir uns heute einiges einbilden. Aber es gab auch mal Zeiten, da waren Kutscherpeitschen, Walfänger oder der Morsekode inn!

Aus der Perspektive ist die Sterblichkeit des Menschen geradezu ein Segen. Es braucht nur ein paar Generationen, um die Welt umzukrempeln!

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Erik 10/07/2008 18:13

Man muss das Ei halt manchmal zerbrechen, wenn man will, dass es steht! Das ist es, was ich sagen will mit den "Sporen". Man sollte nicht nur an Raumschiffe denken, wenn es um Weltraumkolonien usw. geht.

Erik 10/07/2008 18:01

Ja das ist allgemein bekannt. Die Vorräte und Fähigkeiten in Sachen Seemannschaft reichten schon kaum bis nach Amerika. Es ist jetzt müßig, zu diskutieren, ob er einen Fehler in seinen Berechnungen gemacht hat, oder das Risiko bewusst in Kauf genommen hat. Entscheidend ist dass er bereit war, es für sich, seine Männer und für die Investitionen der Königin aufzunehmen.

„Einfach solange nach Westen segeln, bis man auf Land stößt hätten wir auch gekonnt. Das ist nichts Besonderes.“ Wurde ihm nach seiner Rückkehr vorgehalten. Daraufhin forderte Kolumbus die Gelehrten auf, ein Ei auf die Spitze zu stellen. Als dieses nicht gelingt nimmt er es selbst in die Hand und setzt es so auf die Spitze, das die Schale einbricht. Und siehe da, es blieb stehen. Daraufhin protestieren die Anwesenden und meinen, das hätten sie auch gekonnt. Kolumbus sagte: „Der Unterschied ist, meine Herren, dass Sie es hätten tun können, ich hingegen habe es getan!“

Heutzutage wissen wir, wie weit das Land weg ist. Und wagen deshalb nicht, die Segel zu setzen. Vielleicht sollte man einfach mal den Versuch unternehmen und sein Leben riskieren. Vielleicht kann man ja doch leichter durchs All reisen, als von hier aus vermutet wird.

Christian 10/07/2008 14:24

(Weshalb die Neinsager bezüglich seiner Expedition auch eigentlich voraussichtiger gewesen sein mögen als er. Der Umfang der Erde war schon berechnet, und man wusste sicher auch schon ungefähr, bis wohin Asien reicht. Ohne Wissen um die zusätzliche Landmasse musste sein Expeditionsplan als Selbstmordmission erscheinen -- die Strecke bis nach Ostasien wäre ohne Amerika dazwischen einfach zu lang gewesen.)

Christian 10/07/2008 14:21

Kolumbus soll ja bis zuletzt gedacht haben, irgendwie in Ostasien gelandet zu sein. Wesentlich mehr als Kuba und Umgebung hat der ja gar nicht mitbekommen ;-)