Die Zukunft (4)

Veröffentlicht auf von Erik

Ich wurde kürzlich gefragt, wie ich die zukünftige Entwicklung der weltweiten Energieversorgung sehe. Meine Antwort bezog sich zunächst lediglich auf den Personenkraftfahrzeugverkehr. In dieser Angelegenheit vertrete ich die Ansicht, dass der Besitz von privaten Kraftfahrzeugen und die Fortbewegung mit denselben so nicht bis in das 22. Jahrhundert weitergehen wird. Dafür gibt es meiner Ansicht nach mehrere Gründe.

1. Sobald das Ölfördermaximum überschritten ist, wird es notwendig, Ölreserven für wirtschaftlich wichtigere Bereiche zu bewahren. (wie z.B. Heiz- und Wärmekraftwerke, Stromversorgung, Lieferbetriebe, öffentliche Verkehrsmittel)

2. Die derzeit anhaltende Verschwendung an Ressourcen für den Pkw-Bau und -Betrieb trägt erheblich zu deren Ungleichverteilung unter der Weltbevölkerung bei. (Dies ist zum einen eine Ursache für Völkerwanderungen, die schon heute an den Grenzen Europas Überhand nehmen und trägt zum anderen zur Radikalisierung und Terrorismusbereitschaft ganzer Massen bei.)

3. Das zunehmende Verkehrsaufkommen ist nur durch ein immer größer werdendes Netz an Verkehrswegen zu bewälltigen (fünfspuhrige Autobahnen, Untertunnelungen, Flussüberbauungen etc.). Dennoch behindert der private Personenverkehr mit durchschnittlich nur einem Verkehrsteilnehmer pro Fahrzeug schon heute den gewerblichen Güterverkehr, was sich, landesweit betrachtet, negativ auf die Wirtschaftlichkeit aller Unternehmen auswirkt.

4. Der auf Verbrennungsmotoren basierende Kraftfahrzeugverkehr ist über seine Kohlendioxid- und Feinstaub-Emissionen Klimakiller Nummer Eins. (und das nicht nur beim Fahren, sondern auch in der Produktion)

5. Die exponentiell wachsende Nachfrage in China und Indien wird die genannten Probleme (aber besonders das der Ressourcenverteilung) noch einmal erheblich verschärfen.

Jetzt sind diese Gründe ja schön und gut, aber gegen vierzig Millionen Autofahrern in Deutschland kommt man damit noch nicht an. Wie gesagt sind dies zunächst nur Fakten, die die Menschen so oder so bald zu Einschränkungen zwingen werden. Wenn da nicht Alternativen bestünden!

a) Mittels Windkraft kann Wasserstoff für Brennstoffzellen (BZ) gewonnen werden. Dadurch wäre der Fahrzeugbau vom Verbrennungsmotor unabhängig.

Vorteile: Aus Klimaschutzsicht ist die BZ eine langfristige Alternative zum Verbrennungsmotor. Man wäre langfristig auch unabhängiger von fossilen Brennstoffen.

Nachteilig hieran: Die Infrastruktur für ausreichend Wasserstofproduktion, um damit alle in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge zu ersetzen/ umzurüsten, müsste erstmal aufgebaut werden. Das führte kurzfristig sogar zu einer Erhöhung der Ressourcenverschwendung. Außerdem ist fraglich, ob die entsprechende Menge an Wasserstoff allein aus alternativen Energiequellen produziert werden könnte.

b) Öffentliche Verkehrsmittel könnten unter wesentlich ökonomischeren Gesichtspunkten die Bewegungsfreiheit aller sicherstellen. Voraussetzungen hierfür sind natürlich flächendeckende und dezentrale Verkehrsangebote.

Vorteile: Klimaschädigung hält sich in Grenzen und kann unter Einsatz der BZ langfristig sogar komplett beseitigt werden. Ressourcenverschwendung wäre minimal bis gar nicht mehr existent, da dieselben Fahrzeuge für viele Menschen zur Verfügung stünden. Die Abhängigkeit von unterschiedlichsten Ressourcen wäre minimiert.

Nachteilig: Individualismus und private Flexibilität (besonders was den Transport größerer Lasten angeht) sind eingeschränkt. Und auch für dieses Modell müsste eine Infrastruktur geschaffen werden, die zwar im Gegensatz zum BZ-Pkw-Modell nicht komplett neu, aber immernoch sehr umfangreich wäre.

Entschieden wir rein rational, würde unsere Wahl sicherlich auf Model b) fallen. Aber besonders der Nachteil mit dem eingeschränkten Individualismus macht uns zu schaffen. Wählen wir Model a) haben wir eine ganze Menge Arbeit vor uns, die uns kurzfristig ganz schön teuer zu stehen kommt, langfristig aber auch funktionieren kann. Model b) ist aber deswegen das attraktivere, weil es die Vorteile der Brennstoffzelle in sich mit aufnehmen kann. Es kann kurzfriftig noch mit Verbrennungsmotoren stattfinden und ermöglicht die schritweise Umstellung auf alternative Energiequellen. Natürlich bilden sich die meisten Menschen sehr viel auf ihre Indiviualität ein (ich ja auch!). Dass diese aber nicht im geringsten durch Busse oder Züge eingeschränkt wird, nur weil man bis zur nächsten Haltestelle laufen und auch mal umsteigen muss, etabliert sich eigentlich ganz schnell im Bewusstsein, wenn man sich mal darauf eingelassen hat. Mit dem Pkw ist man ja auch auf Parkflächen, Tankstellen, den TÜV, Verkehrsführung (z.B. Einbahnstraßen) und andere Bedingungen angewiesen, wie z.B. das Alkoholverbot. Natürlich müsste die Liniendichte der Verkehrsmittel stark erhöht werden (schätzungsweise auf das zehnfache des heutigen). Auch müsste alles dezentralisiert werden und sich nicht so sehr auf zentrale Bahnhöfe und Flughäfen konzentrieren. Dann, meine ich, könnten die Menschen gut damit leben.

Ich lebe ja schon gut damit, obwohl es noch lange nicht so ist!

Kommentiere diesen Post