Alles über die Welt?

Veröffentlicht auf von Erik

Was macht Wissenschaft aus? Worauf begründet sie sich?

Es ist sicher vereinfacht, zu sagen Wissenschaft begründe sich auf Tatsachen. Aber es ist ein guter Anfang. Daraus ergeben sich mehrere Probleme. Und die Auseinandersetzung mit diesen Problemen bestimmt vordergündig unser allgemeines Verständnis von Wissenschaft.

1. Wie machen wir uns Tatsachen zugänglich?
Hierbei fällt uns sofort unsere Wahrnehmung ein. Gestützt auf unsere Sinne erfahren wir die Natur, die uns umgibt. Nur ist das Ergebnis der Sinnesverarbeitung im Gehirn keineswegs deckungsgleich mit der in den beobachteten Tatsachen steckenden "Natur" der Dinge selbst. Rein physikalisch wird von ein und demselben Objekt dieselbe Abbildung auf unsere Netzhaut (Retina) projeziert. Dieselben Lichtstrahlen treffen auf unsere Augen. Wenn zwei Personen denselben Blickwinkel einnehmen, "sehen" sie genau dasselbe. Und dennoch unterscheidet sich ihre Wahrnehmung. Die Wahrnehmung (eines einzigen Menschen) allein reicht also nicht aus, um Wissenschaft zu betreiben. Um überhaupt Tatsachen vorliegen zu haben, d.h. in unserem Bewusstsein als solche zu begreifen, müssen Wahrnehmungen von ihren subjektiven Unterschieden befreit und auf das Objektive beschränkt werden.

2. Wie verhindern (bzw. minimieren) wir voreingenommene Urteile und Gefühle?
Um die Welt unvoreingenommen beobachten und möglichst objektiv erfahren zu können ist eine ständige Prüfbarkeit der gemachten Erfahrungen notwendig. Dieses Kriterium ist in den meisten Fällen nur durch Intersubjektivität annähernd efüllbar. Mehrere Beobachter beobachten ein und dasselbe und tragen ihre Beobachtungen zusammen. Was alle gemeinsam beschreiben ist zu einer höheren Wahrscheinlichkeit näher an der Wahrheit bzw. den Tatsachen, als die Beobachtung eines einzelnen. Von der intersubjektiven Einigung abweichende Erfahrungen sind dagegen nicht (oder nur sehr schlecht) prüfbar und erhalten schließlich nur eine geringe wissenschaftliche Bedeutung. Wenn z.B. ein einziger Mensch ein UFO beobachtet, kann diese Beobachtung nur sehr schlecht bis garnicht als Wissen anerkannt werden. Allgemein kann aber gesagt werden, dass wenn Unvoreingenommenheit herrscht und sorgfaltig beobachtet wird, die Erfahrung von Tatsachen als solche möglich ist.

3. Wer ist unvoreingenommen?
Tja ...
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Erik 10/02/2008 11:10

@ Checkerbunny ohne Top:

Mir geht es in meiner Darstellung in erster Linie darum, zu klären, in welchem Verhältnis Wissenschaft zu Tatsachen steht. Über Wahrnehmung, Erfahrung, Beobachtung etc. können wir (Wissenschaftler) uns Tatsachen aus erster Hand zugänglich machen. Dies ist eine zwingende Voraussetzung, da wie gesagt meiner Meinung nach Wissenschaft hauptsächlich auf Tatsachen aufbaut (auch wenn diese Aussage stark vereinfacht). Dabei geht es mir hier zunächst um einfachste Erkenntnisse, wie zum Beispiel: ist der Stift in meiner Hand gelb, oder glaube ich das nur? In Bezug auf derartige Grundannahmen muss Einigkeit herrschen, bevor Wissenschaft als solche (ein System zur Generierung intersubjektiv anerkannten Wissens) funktioniert. Das Fach lautet Wissenschaftstheorie und ist ein Teil der Philosophie.

Die vier Grundsätze, die Du ansprichst, sind bereits Konkretisierungen des Forschungsprozesses - also Inhalte von Wissenschaft.

Kausalität und Symmetrie fasse ich unter Validität zusammen (http://de.wikipedia.org/wiki/Validit%C3%A4t). Was soviel heißt, wie die "Richtigkeit" eines gemessenen Konstruktes.

Unparteilichkeit ist gleich Objektivität und unter Reflexivität kann ich mir so genau erstmal nichts vorstellen. Ich meine aber Reliabilität (von Zuverlässigkeit) ist hier der korrekte Terminus.

Objektivität, Validität und Reliabilität sind die Gütekriterien der modernen empirischen Sozialforschung.

Des Weiteren ist "Wahrheit" in der Wissenschaftstheorie zwar existent aber eben durch die subjektive Wahrnehmung niemals zu 100% begreifbar. Sich der Wahrheit anzunähern, ist die Aufgabe des Forschungsprozesses. Es kann daher nichts als absolut wahr bezeichnet werden.
Falsifikationen sind hingegen schon möglich (und auch üblich)! Zum Bsp. bei der logischen Prüfung einer These auf ihre Konsistenz kann sich diese als absolut falsch herausstellen.

Checkerbunny ohne Top 10/02/2008 00:32

Lieber Erik,

du hast da im Prinzip, wie schon einige vor dir, etwas sehr interesantes entdeckt: nämlich das Wissenschaft ein soziales Phänomen darstellt, welches, nebst der Wahrnehmung des einzelnen Wissenschaftlers u.a. auch abhängig ist von der Interaktionen zwischen verschiedenen Akteuren, der Zusammenarbeit von Vertretern unterschiedlicher Professionen, dem Aufbau und der Leitung von Forschungsinstituten, der Verwaltung finanzieller Mittel etc. (vgl. Bloor)

Es gibt vier methodische Grundsätze, die ich dir gerne einmal nennen möchte und gespannt bin, wie du dich mit diesen kritisch auseinander setzt, so denn du über Muse und Zeit verfügst:

1. Kausalität: (Natur-)wissenschaftliche Wissensbestände müssen kausal aus den gesellschaftlichen Bedingungen erklärt werden

2. Unparteilichkeit: Wahrheit oder Falschheit sind nicht absolut, sondern werden nur als solche wahrgenommen

3. Symmetrie: „wahres“ und „falsches“ Wissen muss nach denselben Methoden untersucht werden und durch die dieselben Ursachen erklärt werden; Grundannahme: sowohl „wahres als auch „falsches“ Wissen sind gesellschaftlich beeinflusst

4. Reflexivität